„Wir erzielen eine nachhaltige Wirkung“

Im Frühjahr startet in Mönchengladbach mit ‚Urban MönchenGardening‘ ein in der Stadt einzigartiges Projekt der stationären Kinder- und Jugendhilfe. Was sich hinter diesem Namen verbirgt und was das Besondere am Projekt in der ‚Villa Humboldt‘ im Stadtteil Eicken ist, erläutert Ilona Götz, Bereichsleiterin der stationären Hilfen bei LOOP Kinderhilfe e.V.

 

Was ist die Idee von ‚Urban MönchenGardening‘?

Götz: Wir verknüpfen Jugendhilfe und Urban Gardening. Die Kinder und Jugendlichen betreuen in der Villa Humboldt ihren eigenen urbanen Garten und können dann tatsächlich das ernten, was sie selber gesäht haben. Auf diese Weise erfahren sie Spannendes zur Nutzung eines eigenen, kleinen Gartens, der nachhaltigen und umweltfreundlichen Bewirtschaftung und des bewussten Konsums der Erzeugnisse. Das wird für viele Bewohner eine neue Erkenntnis sein und ihren Erfahrungshorizont erweitern.

 

Und das Besondere aus pädagogischer Sicht?

Götz: Urban Gardening ist nachhaltig, weil es sozial integrativ wirkt. Insbesondere dann, wenn wir Nichtmuttersprachler und sozial, emotional und kognitiv beeinträchtigte Jugendliche mit einbinden können. Sie übernehmen Verantwortung – für den Garten und damit für sich selbst. Auf spielerische Weise werden sie fachlich fundiert begleitet und sie stärken ihre soziale Kompetenz. Die Kinder und Jugendlichen leben zusammen mit den pädagogischen Fachkräften und einer Hauswirtschaftskraft, die ausgebildete Ernährungswissenschaftlerin ist. Mit diesem in Mönchengladbach einzigartigen Projekt verbinden wir pädagogische Maßnahmen und den Aspekt der Umweltbildung – so erzielen wir für die Jugendlichen eine nachhaltige Wirkung.

 

Gibt es Unterstützer für dieses Projekt?

Götz: Wir freuen uns sehr, dass wir das Team der BUND-Kreisgruppe Mönchengladbach mit Sabine und Heinz Rütten und Christel Jörg als Experten an Bord haben. Das Engagement der ehrenamtlichen BUND-Mitarbeiter ist großartig. Sie beraten uns bei der Gestaltung und Bepflanzung des Gartens. Zudem planen wir ein Insektenhotel. Das Dach der angrenzenden Garage wird begrünt. So wird der Garten zu einer kleinen städtischen Oase und wir decken auch den Aspekt der Biodiversität mit ab.

 

Wie muss man sich die ‚Villa Humboldt‘ vorstellen?

Götz: Die wunderschöne Jugendstil-Villa wurde um das Jahr 1900 erbaut und wird derzeit für die spezielle Nutzung saniert und umgebaut. Auf drei Etagen verteilen sich mehrere Wohn- und Schlafräume, ein Büro und Aufenthaltsräume sowie Bad- und Abstellräume. Jedem Jugendlichen steht ein Zimmer zur Verfügung. Zudem gibt es einen großen Gemeinschaftsraum und eine große Wohnküche, die sich im Erdgeschoss befindet. Hinzu kommen Gäste-WC, ein Betreuerzimmer und das Büro sowie ein ‚Verselbständigungsappartement‘ zum Trainieren der Selbständigkeit innerhalb des geschützten Rahmens der Wohngruppe. Der Garten befindet sich im Innenhof und kann von der Wohnküche aus direkt erreicht werden.

 

Zurück zu den Kindern und Jugendlichen. Wer wird dort aufgenommen?

Götz: Sie alle haben in der Regel in ihrem Leben wenig Liebe und Wertschätzung erfahren. Sie kommen aus schwierigen und belastenden Lebenssituationen. Mit der ‚Villa Humboldt‘ möchten wir ihnen, vor allem dank unserer engagierten und qualifizierten Mitarbeiter vor Ort, ein neues und sicheres sowie wärmendes Zuhause geben.

 

Wie viele werden in der Villa Humboldt begleitet?

Götz: Insgesamt ist Platz für acht Kinder und Jugendliche ab zwölf Jahren. Sie werden von mindestens einer pädagogischen Fachkraft rund um die Uhr betreut.

 

Was ist das Ziel von ‚Urban MönchenGardening‘?

Götz: Die uns anvertrauten Kinder und Jugendlichen sollen bestmöglich gefördert und unterstützt werden, sodass eine erfolgreiche Integration in das gesellschaftliche Leben möglich wird. Uns ist es besonders wichtig, dass sie ein positives Selbstbild entwickeln und lernen, in einer familienähnlichen Gemeinschaft zusammen zu leben, Verantwortung übernehmen und damit im Alltag eine konkrete Aufgabe haben. Sie entdecken ihre Wissbegier ganz neu und werden von uns bis zum Schulabschluss in ein eigenständiges Leben begleitet.